Der Kammermusikkreis
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Mirco Oswald - Werke


 

Musikalische Werke (Auswahl)

 

Der Afrít (op. 46)

2. Sinfonie

noch keine UA

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Die Feen der Geisterinsel (op. 45)

Vorspiel zur 2. Sinfonie

noch keine UA

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Die Stadt und der Fluss (op. 44)

1. Sinfonie

noch keine UA

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Memories of Romeo (op. 43)

till an unread letter do us part

Kollage für Bariton und Klavier

noch keine UA

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Melusine & Drago (op. 42)

a musical joke

for a blonde Soprano with big boobies

and a counting tenor

noch keine UA

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Zwielicht (op. 41)

eine Klavierminiatur

für Eva

noch keine UA

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Bolero (op. 40)

für sinfonisches Blasorchester

noch keine UA

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Der kleine Ritter Trenk (op. 39)

Kinder-Singspiel nach einem Text von Kirsten Boie

UA 07/2015

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Der Handwerker und die Feder (op. 38)

sinfonisches Blasorchester

UA 08/2015

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Solutio (op. 36)

nach einem Text von Katharina Dück

für sinfonisches Orchester und Alt

noch keine UA

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Cantárida, Mouche Espagnole (op. 35)

Quatuor pour Piano, Violin, Viola et Violoncelle

noch keine UA

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Sextuor Alonso-García (op. 34)

Sextuor à cordes

(3 Vl, Vla, 2 Vlc)
noch keine UA

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Miranda de Ebro (op. 33)

für kleines Orchester
UA 05/2014

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Etoile and the bitter Suite (op. 32)

Counterpoint for Eves Cuckoo

Petit Déjeuner for 9k Chat

and a Duet for one drunken Trumpet Player
UA 08/2014

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Trío Pérez-Iñesta (op. 30)

para Claudia y su hermanos

Pianoforte, Violine und Klarinette
noch keine UA

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Winterreisen

Anklänge an Schubert (op. 29)

für Sprecherin, Horn, Klarinette und Klavier

 

Musik zum Roman "Winterreise" von Katharina Dück

UA 02/2013

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Blumensonate (op. 27)

für Klavier und Violoncello

noch keine UA

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Gretchen, track 1. (op. 18a)

Musik zum gleichnamigen Theaterstück von Nelly Noack

für Sopran, Blockflöten, Marimba, Vibraphon und Cello

UA 2012

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Gretchen am Spinnrade, allein. (op. 18b)

nach Goethes Faust

für Sopran, Oboe, Fagott und Kammerorchester

UA 2011

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Wiegenlied (op. 22)

für 3 Gesangstimmen und Gitarre

UA 2011

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Dem Wunder (op. 17)

für Fl, Kl, Vlc und Klavier

UA 2011

Publikumspreis "Die Welt hochwerfen"

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3 Hommages (op. 16)

für Klavier

UA 2011

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3 Gnossiennes (op. 10)

Soli für Ob, Fg und Flöte und Klavier

UA 2011

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Blue Snowland (op. 5)

für Klarinette und Gitarre

UA 2010

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Kammersuite (op. 2)

für verschiedene Instrumente

UA 2009


Texte (Auswahl)

 

 

 

Politische Gedichte:

 

 

Paris 2016

Gedicht, Musik von Erik Satie

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Die schönen Türme!

Gedicht 07/2013, Musik von Sergej Rachmaninov

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Kleiner Bruder

Gedicht 07/2013, Musik von Maurice Ravel

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Rezensionen:


Handwerker und Feder

Robert Schumann hatte in einem Brief seinerseits süffisant bemerkt, dass die Ehe ein musikalisches Wort sei, schließlich bestehe sie doch aus einer Quinte: E H E. Das ließe sich weiterdeuten, denn eine musikalische Ehe besteht nicht aus dem Einklang, sondern die beiden Töne stehen in einem dominantischen Verhältnis. Und es bedarf dieses Spannungsverhältnisses, wäre eine Eee, doch viel zu monoton.

Vor der Ehe kommt die Umarmung. Zärtlich, vorsichtig dann vielleicht überschwänglich bis hin zum drückenden und erdrückenden. Es lassen sich viele Nuancen in diesem so alltäglichen Phänomen finden. In der Regel gefällt es jedem – und Studien haben mittlerweile mehrfach nachgewiesen, dass sie sogar medizinisch heilsam sein soll.

Die kompositorische Umsetzung, die Mirco Oswald unternommen hat, bemüht sich durch ein ganzes Arsenal an Mitteln das In-den-Arm nehmen zu vertonen. Das im klassischen Satz übliche dualistische Prinzip von zwei rivalisierenden Themen, die durch ihre Eigenheiten bestechen, findet sich sofort. Auf der einen Seite das thematische Material eines Handwerkers, der gerade dann am lautesten spricht, wenn er am höchsten spricht. Auf der anderen Seite die Feder, deren leichte Melodie in die Höhe getragen wird, nur um sanft abzusinken. Oswalds Instrumentierung spricht indes Bände: Der Handwerker im tiefen Blech, das genauso sanft und zärtlich zu verklingen vermag, wie es im fortissimo brüllen kann, sowie die Feder, der luftiger Klang in den Holzbläsern sich vom sanften Silberklang der Querflöte zum quietschenden piepsenden Ohrenputzer verwandeln kann. Oswald gibt jedem der Themen einen eigenen Abschnitt, lässt beide Themen sich frei entfalten. Erst im dritten und letzten Teil der Komposition überlagern sich beide. Statt jedoch in Kakophonie, im kompositorischen Streit eines Themendualismus gegenüber zu stehen, vollzieht Oswald in seiner kompositorisch feinfühligen Umsetzung eine Annährung. Die Themen beginnen sich zu umarmen, zu verschränken. In der gemeinsamen Tonart können sich beide ihre Melodien bewahren und sich im Duett ergänzen. Wenn die beiden Melodien am Ende des Stückes an einem einzigen musikalischen Strang ziehen, bewahrt Oswald doch ihre Melodien und Klangschattierungen. Handwerker und Feder umarmen sich damit genauso zärtlich wie bestimmt – und enden zu guter Letzt in der Quinte.

Johannes Sturm

 

Handwerker und Feder

 

 

Cantárida - Spanische Fliege

Tiervertonungen sind nicht erst seit dem Karneval der Tiere Camille Saint-Saëns beliebt. Ein musikalisches Bestarium, in welchem sich Eigenschaften von gackernden Hühnern als Vorlage dienen, finden sich Heinrich Ignaz Biber (1655-1704), oder die von Luft und Feuer lebenden Salamander bei Tarquinio Merula (1482-1557). Manchmal ernst, manchmal scherzhaft schaffen die Tiere eine Verbindung zum Menschen, nehmen sie bisweilen sogar aufs Korn. Etwa wenn das Stück „Pariser galoppe a la girafe“ von Henri Herz in einer Sammlung ausgewählter Modetänze 1828 beworben wurde, dann vermutlich, weil sich mit den modischen Damen- und Herrenhüten der Zeit sicherlich unheimlich schwierig Tanzen ließ.

Mirco Oswald reiht sich in die Kompositionsgeschichte der Tiervertonungen mit seinem Stück Cantárida (Spanische Fliege) unmittelbar ein. Auch wenn das Insekt Flügel besitzt, handelt es sich doch um einen Käfer, dessen grün leuchtender Panzer auf seiner Leibspeise mitunter nur am Funkeln zu erkennen ist. Eigentlich im Aussehen hübsch, zählt er zu den Stinktieren unter den Käfern, denn sie können einen intensiven Geruch absondern. Eigentlich bekannt ist der Käfer allerdings für eine Eigenschaft die manche der sogenannten Ölkäfer besitzen: Zermahlt man sie zu Pulver, entsteht ein potenzförderndes Mittel, dessen Einnahme auch Henri IV nachgesagt wurde.

Oswalds Werk besteht aus insgesamt sechs Abschnitten, die alle unter dem Titel der Cantárida stehen und entsprechend augenzwinkernd zwischen harmlosem Flügelschlag und erotischer Stimulanz changiert. Dass ausgerechnet die Bratsche die onomatopoetische Erregung im sechsten Satz bekommt, mag dabei eher als Scherz gemeint sein. Durchaus ernst gemeint ist jedoch der weiche, fließende Gestus des ersten Abschnittes, in welchem die drei Streicher dem Klavier beinahe oppositionell gegenüber stehen. Es ist ein komponieren in zwei Schichten. Gerade die Streicher neigen dazu Melodien und Fragmente davon nicht wie das Klavier selbst zu beenden, sondern vielmehr sich die Themen aus der Hand zu reißen. Legt die Violine vor, zieht die Viola nach, nur um von dem Cello eingeholt und überholt zu werden. Dabei stellt gerade der erste Satz bereits die meisten der Elemente bereit, wie sie in den späteren Sätzen wiederkehren, die dort allerdings deutlich schärfer charakterisiert werden. Während der zweite Abschnitt aus kleinmotivischer Arbeit besteht, in welchem durch die scharfe Akzentuierung die Musik an Tanz erinnert, genießen die großformatigen Arpeggien des Klaviers des vierten und fünften Abschnitts eine zunehmend weichere, fließende Melodiegebung. Im letzten Teil dominiert der Gestus des Absteigens, der durch lange Notenwerke und arpeggierte Akkorde eine ausruhende, meditative Wirkung verliehen bekommt.

Das Werk selbst lässt sich zwar durchaus als programmatisch in Bezug auf die latent eingestreute Erotik lesen, jedoch spannt sich durchaus der ganze Bogen, des Werkes, dessen Höhepunkt nicht etwa in Dynamik und Rhythmik zu finden ist, sondern in der grenzenlosen Entspannung, in welchem das Stück verklingt.

Johannes Sturm

Cantárida - Spanische Fliege